Die Arteus Energy GmbH hat im Juni 2026 mit ihrer ersten Unternehmensanleihe (ISIN: DE000A460HC7) den Schritt an den KMU-Kapitalmarkt vollzogen. Der auf Agri-Photovoltaik- und Batteriespeicherprojekte (BESS) in Deutschland spezialisierte Projektentwickler bietet Anlegern einen festen Zinskupon von 7,75 % p.a. bei einem Emissionsvolumen von bis zu 8 Mio. Euro. Mit den Emissionserlösen möchte Arteus den Ausbau seiner Projektpipeline beschleunigen und die Entwicklung eigener Erzeugungs- und Speicherkapazitäten voran treiben. Im Interview mit dem Anleihen Finder spricht Gründer und Geschäftsführer Sebastian Böhmer über das Geschäftsmodell des Unternehmens, die Beweggründe für die Debütanleihe sowie die weiteren Wachstumsziele von Arteus Energy.

Anleihen Finder: Herr Böhmer, mit der Anleihe 2026/31 betritt die Arteus Energy GmbH erstmals den Kapitalmarkt. Stellen Sie uns das Unternehmen und dessen Geschäftsmodell doch ganz kurz vor?
Sebastian Böhmer: Die Arteus Energy GmbH ist ein Projektentwickler und unabhängiger Stromerzeuger der nächsten Generation – ein sogenannter NextGen IPP. Unser integriertes Geschäftsmodell verbindet Agri-Photo voltaik sowie Batteriespeicher und adressiert damit zwei zentrale Herausforderungen der Energiewende: Flächen
verfügbarkeit und Netzflexibilität. Dabei decken wir die gesamte Wertschöpfungskette von der Flächensicherung über die Entwicklung und den Bau bis zur Vermarktung und zum langfristigen Eigenbetrieb der Erzeugungs- sowie Speicheranlagen ab. Durch diese vertikale Integration sichern wir uns nicht nur die vollen Margen über den gesamten Lebenszyklus der Projekte, sondern schaffen auch eine solide Basis für planbare, wiederkehrende Cashflows sowie eine deutlich höhere Ertragsstabilität als ein ausschließlich projektgetriebenes Geschäft.

Anleihen Finder: Wofür sollen die Mittel aus der Anleihe konkret verwendet werden? Welche Projekte und Entwicklungsmaßnahmen stehen dabei im Vordergrund?
Sebastian Böhmer: Der Emissionserlös dient vollständig der Finanzierung unseres weiteren Wachstums, um unsere operative Dynamik gezielt zu erhöhen und den Portfoliowert maßgeblich zu steigern. Konkret liegt unser Fokus darauf, den Ausbau unserer Pipeline zu beschleunigen, Agri-PV- und BESS-Projekte im Eigenbestand zu realisieren sowie neue Märkte und Technologien zu erschließen. Mit jeder Entwicklungsstufe steigt der Projektwert. Gleichzeitig stärken wir durch den Ausbau eigener Erzeugungs- und Speicherkapazitäten die Basis für langfristig planbare, wiederkehrende Erlöse und treiben unsere Entwicklung zu einem europäischen Independent Power Producer konsequent voran.

Anleihen Finder: Warum ist die Unternehmensanleihe aus Ihrer Sicht das passende Finanzierungsinstrument für die aktuelle Wachstumsphase von Arteus? Wie werden Sie den Kapitaldienst für die Anleihe leisten?

„Eine Unternehmensanleihe ermöglicht es uns, mehrere Projekte parallel voranzutreiben, ohne die Gesellschafterstruktur zu verwässern“

Sebastian Böhmer: Unsere Projektpipeline wächst dynamisch und erfordert ein Finanzierungsinstrument, das
langfristige Planungssicherheit mit unternehmerischer Flexibilität verbindet. Eine Unternehmensanleihe ermöglicht es uns, mehrere Projekte parallel voranzutreiben, ohne die Gesellschafterstruktur zu verwässern. Gleich zeitig stärkt sie unsere Finanzierungskraft für projektbezogene Fremdkapitalfinanzierungen und unterstützt die
weitere Skalierung unseres Geschäfts. Der Kapitaldienst basiert auf einer diversifizierten Erlösstruktur: Kurz- bis mittelfristig generieren wir Cashflows aus der Entwicklung sowie der selektiven Veräußerung von Projekten und Projektrechten. Parallel bauen wir unseren Eigenbestand gezielt aus und steigern damit den Anteil wiederkehrender Erlöse aus Stromerzeugung, Direktvermarktung, langfristigen Stromabnahmeverträgen sowie Batteriespeichern. Dadurch verbreitern wir unsere Ertragsbasis und erhöhen die Planbarkeit unserer Cashflows. Aus unserer Sicht ist die Unternehmensanleihe daher das passende Instrument, um unsere Wachstumsstrategie zu finanzieren und gleichzeitig eine solide Grundlage für die nachhaltige Bedienung der Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen zu schaffen.

Anleihen Finder: Wie sieht aktuell die operative Geschäftsentwicklung aus? Können Sie uns die wichtigsten
Finanzkennzahlen erläutern?

„Der Fair Value unserer Projektpipeline wird auf rund 25 Mio. Euro taxiert“

Sebastian Böhmer: Unsere operative Geschäftsentwicklung verläuft positiv und spiegelt den gezielten Ausbau unseres Geschäftsmodells wider. Im Geschäftsjahr 2025 konnten wir die Umsatzerlöse von 0,7 Mio. Euro auf 1,0 Mio. Euro steigern. Durch den deutlichen Wertaufbau unserer Projekte erhöhte sich die Gesamtleistung auf knapp 2,4 Mio. Euro und damit auf mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Gleichzeitig erzielten wir erneut ein positives Jahresergebnis. Die Bilanzsumme stieg auf rund 3,4 Mio. Euro bei einer Eigenkapitalquote von 25,3 Prozent. Für die Beurteilung unseres Unternehmens ist jedoch nicht allein der Jahresabschluss entscheidend. Wesentliche Wertpotenziale entstehen in unserer Projektpipeline. Deren Fair Value wurde im Rahmen einer unabhängigen Discounted-Cashflow-Plausibilisierung auf rund 25 Mio. Euro taxiert. Unser Fokus liegt darauf, diese Projektwerte schrittweise in nachhaltige Erträge und langfristig planbare Cashflows zu überführen.

Anleihen Finder: Was unterscheidet Arteus von anderen Projektentwicklern im Bereich Erneuerbare Energien?
Was ist Ihr USP?

Sebastian Böhmer: Unser Alleinstellungsmerkmal liegt in der Kombination aus vertikaler Integration, technologischer Spezialisierung und einer konsequenten Wertschöpfungsstrategie als IPP. Wir verbinden Agri-PV und Batteriespeicher entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Flächensicherung bis zum dauerhaften
Eigenbetrieb und zur Energievermarktung. Dadurch schaffen wir Synergien zwischen Erzeugung sowie Flexibilität und erschließen attraktive Marktsegmente mit langfristigem Wachstumspotenzial. Unsere eigene Kompetenz in den Bereichen Netzintegration und Projektentwicklung ermöglicht kurze Entscheidungswege sowie eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit. Wir verbinden die Dynamik eines spezialisierten Projektentwicklers mit der strategischen Perspektive eines langfristig orientierten Energieunternehmens und schaffen damit die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und steigende Unternehmenswerte.

„Wir verbinden Agri-PV und Batteriespeicher entlang der gesamten Wertschöpfungskette“

Anleihen Finder: Arteus verfügt nach eigenen Angaben über eine Projektpipeline von rund 330 MW Agri-PV und
1.950 MW Batteriespeicher. Wie ist diese Pipeline aufgebaut und in welchem Entwicklungsstadium befinden sich
die Projekte?

Sebastian Böhmer: Unsere Projektpipeline ist bewusst diversifiziert und umfasst Projekte in unterschiedlichen
Entwicklungsstadien. Dadurch schaffen wir einen kontinuierlichen Zufluss an baureifen Vorhaben und reduzieren gleichzeitig das Risiko einzelner Projekte. Ein Teil der Vorhaben befindet sich bereits in fortgeschrittenen
Genehmigungs- und Entwicklungsstadien, während weitere Flächen gesichert und für die nächsten Schritte vor
bereitet werden. Besonders im Bereich Batteriespeicher verfügen wir zusätzlich über eine umfangreiche Frühphasenpipeline, die unser langfristiges Wachstum absichert. Unser Ansatz besteht darin, die Projekte systematisch in den Eigenbestand zu überführen oder bei Bedarf selektiv zu veräußern. Diese Kombination schafft eine hohe Flexibilität und ermöglicht eine ausgewogene Balance zwischen dem Aufbau langfristiger Erzeugungs- sowie Speicherkapazitäten und bedarfsgerechter kurzfristiger Wertrealisierung. Unsere Pipeline bildet damit bereits die Grundlage für die geplante Skalierung unseres Geschäfts in den kommenden Jahren.

Anleihen Finder: Sie sprechen davon, sich als „Independent Power Producer der nächsten Generation“ zu etablieren. Was bedeutet das konkret und wie soll sich das Geschäftsmodell künftig entwickeln?

Sebastian Böhmer: Unser Ziel ist der Aufbau eines integrierten Energieunternehmens, das Projektentwicklung, Stromerzeugung, Speicherlösungen und Energievermarktung intelligent miteinander verbindet. Mit wachsendem Eigenbestand verschiebt sich unsere Wertschöpfung kontinuierlich von projektbezogenen Einmalerträgen hin zu planbaren, wiederkehrenden Erlösen. Gleichzeitig entwickeln wir unser Portfoliotechnologieoffen weiter und prüfen zusätzliche Anwendungen, die unsere Aktivitäten sinnvoll ergänzen. Damit schaffen wir ein robusteres Geschäftsmodell mit höherer Visibilität der Cashflows und geringerer Abhängigkeit vom Projektzyklus. Genau darin sehen wir den entscheidenden Mehrwert eines NextGen IPP.

Anleihen Finder: Während viele Projektentwickler Anlagen nach Erreichen der Baureife veräußern, möchten Sie langfristig eigene Erzeugungskapazitäten aufbauen. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden? Was soll der langfristige Eigenbetrieb von Anlagen künftig für Umsatz, Ergebnis und Cashflow des Unternehmens bedeuten?

„Der Verkauf baureifer Projekte lässt einen wesentlichen Teil der langfristigen Wert schöpfung ungenutzt“

Sebastian Böhmer: Der Verkauf baureifer Projekte lässt einen wesentlichen Teil der langfristigen Wertschöpfung
ungenutzt. Wer Anlagen nach dem Bau im eigenen Portfolio behält, wandelt einmalige Entwicklungsgewinne in jahrzehntelange, hochgradig prognostizierbare Zahlungsströme um. Dadurch werden Umsatz und Cashflow kontinuierlich stabiler, während die Abhängigkeit von einzelnen Projekttransaktionen deutlich sinkt. Der stetige
Liquiditätszufluss stärkt unsere Eigenkapitalbasis und senkt die Kapitalkosten für künftige Fremdfinanzierungen. Selektive Projektverkäufe bleiben zwar als flexible Komponente bestehen, doch der Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau eines hochwertigen Eigenbestands. Auf diese Weise entwickeln wir uns gezielt von einem Projektentwickler zu einem substanzstarken Energieinfrastrukturunternehmen mit nachhaltiger Ertragskraft.

Anleihen Finder: Agri-PV gilt als einer der spannendsten Wachstumsmärkte im Bereich Solarenergie. Welche Vorteile bietet die Kombination von Landwirtschaft und Photovoltaik aus Ihrer Sicht? Und wie entwickelt sich derzeit die Nachfrage nach Agri-PV-Projekten seitens Landwirten, Kommunen und Investoren?

Sebastian Böhmer: Agri-PV verbindet landwirtschaftliche Nutzung und erneuerbare Energieerzeugung auf derselben Fläche und schafft damit einen nachhaltigen Mehrwert für alle Beteiligten. Landwirtschaftliche Flächen bleiben erhalten, Flächeneigentümer erschließen zusätzliche Einnahmen und die Akzeptanz bei Kommunen steigt, weil Nutzungskonflikte deutlich reduziert werden. Darüber hinaus können moderne Agri-PV-Konzepte Erzeugungsprofile optimieren und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen verbessern. Dementsprechend sehen wir
eine anhaltend hohe Nachfrage: Landwirte suchen nach langfristig planbaren Zusatzerlösen, Kommunen treiben
die regionale Energiewende voran und Investoren schätzen das attraktive Rendite-Risiko-Profil dieser Projekte.
Unterstützt durch verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen und den steigenden Bedarf an erneuerbaren
Energien sehen wir Agri-PV als eines der dynamischsten Wachstumssegmente der Energiewende und als einen zentralen Baustein unserer langfristigen Unternehmens strategie.

„Wir sehen Agri-PV als eines der dynamischsten Wachstumssegmente der Energiewende und als einen zentralen
Baustein unserer langfristigen Unternehmensstrategie“

Anleihen Finder: Sie sprechen von einem technologieoffenen europäischen Energieportfolio. Welche weiteren Technologien oder Märkte könnten künftig für Arteus interessant werden?

Sebastian Böhmer: Unser strategischer Fokus liegt derzeit klar auf Agri-PV und Batteriespeichern, weil wir hier die größten Synergien sowie das attraktivste Rendite-Risiko-Profil sehen. Gleichzeitig verstehen wir uns als technologieoffenes Energieunternehmen und beobachten kontinuierlich, welche Anwendungen unser Geschäftsmodell sinnvoll ergänzen können, etwa zur saisonalen Diversifizierung der Stromerzeugung oder zur
intelligenten Kopplung von Erzeugung, Speicherung und neuen Anwendungen. Geografisch analysieren wir aus
gewählte europäische Märkte mit verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen, attraktiven Marktchancen
und ausreichendem Skalierungspotenzial. Unsere Investitionsentscheidungen folgen dabei klaren kapitalmarktorientierten Kriterien: Wir expandieren ausschließlich in etablierte Märkte und ausgereifte Technologien, die nachhaltig Wert schaffen, attraktive Eigenkapitalrenditen erwarten lassen und sich nahtlos in unser skalierbares Geschäftsmodell integrieren.

Anleihen Finder: Abschließend: Wo soll Arteus Energy in drei bis fünf Jahren stehen? Welche Größenordnung
streben Sie hinsichtlich Projektpipeline, Eigenbestand und Erzeugungskapazitäten an?

Sebastian Böhmer: In den kommenden Jahren wollen wir Arteus als Independent Power Producer mit einem diversifizierten Portfolio aus Erzeugungs- und Speicheranlagen etablieren. Bis 2028 streben wir rund 60 MW eigener Erzeugungskapazität im Betrieb an und erhöhen damit den Anteil wiederkehrender Erlöse kontinuierlich. Parallel planen wir die Expansion in ausgewählte europäische Märkte sowie die gezielte Ergänzung unseres Technologieportfolios. Wachstum messen wir dabei nicht allein in Megawatt, sondern vor allem an der Qualität unserer Erträge, der Stabilität unserer Cashflows und einer nachhaltigen Kapitalstruktur. Unser Ziel ist es, Arteus Energy als substanzstarkes, skalierbares Energieunternehmen mit einer erfolgreichen Kapitalmarktbilanz und einem nachhaltigen Beitrag zur Energiewende zu etablieren.
Anleihen Finder: Herr Böhmer, vielen Dank.

Der-Anleihen-Finder-11-2026.pdf