21.09.26 09:00
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Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) – Die Arteus Energy GmbH mit Sitz in Karlsruhe ist ein deutscher Projektentwickler und unabhängiger Stromerzeuger (IPP) im Bereich der erneuerbaren Energien. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Agri-Photovoltaik-Anlagen (Agri-PV) sowie Großbatteriespeichersystemen (BESS). Zur Finanzierung des weiteren Wachstums hat Arteus eine neue Unternehmensanleihe 2026/2031 (ISIN DE000A460HC7 / WKN A460HC) mit einem Volumen von bis zu 8 Mio. Euro und einem Zinssatz von 7,75% p.a. aufgelegt.

Arteus Energy Solarpark

anleihencheck.de führte das folgende Interview mit Herrn Sebastian Böhmer, Geschäftsführer der Arteus Energy GmbH.


anleihencheck.de: Warum haben Sie sich gerade jetzt für die Emission einer Unternehmensanleihe entschieden, und warum ist Fremdkapital für Arteus derzeit attraktiver als beispielsweise eine Eigenkapitalfinanzierung?

Sebastian BöhmerBöhmer: Wir sind heute an einem Punkt, an dem aus einer über Jahre aufgebauten Projektbasis zunehmend baureife und operative Anlagen entstehen sollen. Dieser Schritt erfordert deutlich mehr Kapital als die reine Projektentwicklung. Mit der Anleihe können wir dieses Wachstum beschleunigen, ohne die Beteiligungsquoten der bestehenden Gesellschafter zu verwässern. Dabei geht es nicht darum, Eigenkapital durch Fremdkapital zu ersetzen. Unsere Eigenkapitalquote lag Ende 2025 bei 25,3%. Wir wollen zusätzliches Kapital dort einsetzen, wo Projekte mit zunehmender Reife an Wert gewinnen und später laufende Erträge erwirtschaften können. Die Anleihe finanziert damit gezielt den nächsten Entwicklungsschritt von Arteus: vom Projektentwickler hin zu einem Unternehmen mit wachsendem eigenen Anlagenbestand.

Unsere Eigenkapitalquote lag Ende 2025 bei 25,3%.


anleihencheck.de: Die neue Arteus-Anleihe bietet Anlegern einen vergleichsweise hohen Kupon von 7,75% p.a. Welche Risiken stehen aus Ihrer Sicht dieser attraktiven Verzinsung gegenüber?

Böhmer: 7,75% sind in der Tat eine attraktive Verzinsung. Dem stehen die typischen Risiken unseres Geschäfts gegenüber: Genehmigungen sowie Netzanschlüsse können sich verzögern und Baukosten oder Vermarktungserlöse sich anders entwickeln als geplant. Bei Batteriespeichern kommt ein dynamischer Markt hinzu, in dem sich Wettbewerb und Erlösmodelle schnell weiterentwickeln. Für uns ist entscheidend, diese Risiken bereits in der Projektentwicklung möglichst gut zu steuern. Dabei helfen uns eine breite Projektbasis und unsere hohe eigene Wertschöpfungstiefe. Wir halten damit wesentliche Entwicklungsschritte selbst in der Hand und können früh auf Veränderungen reagieren. Der Kupon vergütet also ein reales Projektrisiko – dem steht bei Arteus eine Plattform gegenüber, die darauf ausgerichtet ist, Projekte systematisch bis zur Baureife und in den Betrieb zu führen.

Der überwiegende Teil der Anleihemittel fließt unmittelbar in das weitere Wachstum.


anleihencheck.de: Sie wollen bis zu 8 Mio. Euro einwerben. Können Sie konkret aufschlüsseln, welcher Anteil der Emission in Agri-PV, Batteriespeicher, den Ausbau der Projektpipeline und die Erschließung neuer Märkte beziehungsweise Technologien fließen soll?

65% des Emissionserlöses sollen in die Entwicklung und den Bau von Agri-PV- und Batteriespeicherprojekten fließen. Weitere 25% möchten wir in die Weiterentwicklung der Pipeline einschließlich Personal- und Entwicklungskosten investieren. Die verbleibenden 10% sind für neue Märkte und/oder Technologien vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt damit klar auf unserem bestehenden Kerngeschäft. Wir wollen mit dem Kapital nicht einfach die Pipeline vergrößern, sondern vor allem vorhandene Projekte schneller voranbringen. Der überwiegende Teil der Anleihemittel fließt damit unmittelbar in das weitere Wachstum.

Bis Ende 2027 wollen wir 250 MW Baureife und 40 MW im Betrieb erreichen.


anleihencheck.de: Arteus verfügt nach eigenen Angaben über eine Pipeline von rund 330 MW Agri-PV und 1.950 MW BESS. Wie viel davon ist bereits so weit entwickelt, dass mit einer tatsächlichen Realisierung gerechnet werden kann, und welche konkreten Projekte stehen als Nächstes vor Baubeginn?

Böhmer: Unsere Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Entscheidend ist für uns, diese Pipeline Schritt für Schritt in baureife und operative Projekte zu überführen. Bis Ende 2026 wollen wir 40 MW Baureife und erste 20 MW im Betrieb erreichen. 2027 sollen es 250 MW baureif und 40 MW operativ sein. Wie weit einzelne Vorhaben bereits fortgeschritten sind, zeigt unser 6,1 MW Agri-PV-Projekt in Tuningen: Baugenehmigung und EEG-Zuschlag liegen vor, der Netzanschluss ist angenommen, die Kabeltrasse gesichert und der Bau hat bereits begonnen. Nach aktuellem Planungsstand ist die Inbetriebnahme für das vierte Quartal 2026 vorgesehen und wird spätestens im ersten Quartal 2027 erwartet. Bei den Speicherprojekten Coswig und Burg haben wir zudem bereits rund 1,4 Mio. Euro für Baukostenzuschüsse beziehungsweise Übergabestationen angezahlt. Für uns ist deshalb nicht allein die Größe unserer rund 2,3 GW starken Pipeline entscheidend, sondern vor allem deren konsequente Umsetzung. Sichtbar wird unsere operative Entwicklung an konkreten Fortschritten wie Baureife, Baubeginn und Inbetriebnahme – und genau diese Kennzahlen wollen wir in den kommenden Jahren deutlich steigern.

Arteus Energy Solarpark

Dem Anleihevolumen von bis zu 8 Mio. Euro steht ein rund dreifacher Portfoliowert gegenüber.


anleihencheck.de: Der plausibilisierte Fair Value Ihres Gesamtportfolios wird mit rund 25 Mio. Euro angegeben. Wie wurde dieser Wert ermittelt, welche Annahmen liegen ihm zugrunde und wie stark könnte sich der Portfoliowert verändern, wenn Strompreise, Zinsen oder Projektkosten ungünstiger ausfallen?

Böhmer: Die rund 25 Mio. Euro sind keine reine Eigeneinschätzung. Im Vorfeld der Emission haben wir die Bewertung unseres Projektportfolios von einer externen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft plausibilisieren lassen. Geprüft wurden dabei das DCF-Bewertungsmodell, die Bewertungsmethodik einschließlich unseres Meilensteinansatzes sowie die zentralen Annahmen zu Investitionskosten, Strompreisen und Zinssätzen. Zusätzlich wurden einzelne Projekte stichprobenartig analysiert und die Ergebnisse mit beobachtbaren Marktpreisen abgeglichen.

Wichtig ist dabei die zugrunde gelegte Projektbasis aus 39 Agri-PV- und 23 BESS-Projekten, die mindestens über unterschriebene Nutzungsverträge verfügen. Es handelt sich damit nicht um eine Hochrechnung auf ein künftig vollständig realisiertes Portfolio, sondern um eine Ermittlung auf Basis des heutigen Entwicklungsstands. Der plausibilisierte Wert beträgt 24,96 Mio. Euro, davon 14,84 Mio. Euro für Agri-PV und 10,12 Mio. Euro für Batteriespeicher. Damit steht dem Anleihevolumen von bis zu 8 Mio. Euro ein rund dreifacher Portfoliowert gegenüber.

Natürlich kann sich eine solche Bewertung bei veränderten Marktannahmen in beide Richtungen entwickeln. Entscheidend ist für uns, dass wir einen wichtigen Werttreiber selbst beeinflussen können: die konsequente Weiterentwicklung unserer Projekte. Mit Meilensteinen wie Genehmigungen, Netzzusagen oder Baureife reduzieren wir das Entwicklungsrisiko und erhöhen gleichzeitig den Wert eines Projekts. Genau darauf liegt unser operativer Fokus.

Mit dem geplanten Ausbau auf 60 MW im Jahr 2028 wollen wir Arteus auf eine breitere und besser planbare Ertragsbasis stellen.


anleihencheck.de: Sie wollen sich vom Projektentwickler zunehmend zu einem unabhängigen Stromerzeuger mit langfristigem Eigenbestand entwickeln. Wann erwarten Sie, dass die eigenen Agri-PV- und Batteriespeicheranlagen substanzielle und wiederkehrende Cashflows für Arteus generieren?

Böhmer: Der Aufbau wiederkehrender Cashflows wächst mit unserem Eigenbestand. Für Ende 2026 streben wir 20 MW in Betrieb an, 2027 sollen es 40 MW und 2028 60 MW sein. Damit verändert sich schrittweise auch unser Ertragsprofil: Der Anteil laufender Einnahmen soll gegenüber dem stärker transaktionsgetriebenen Entwicklungsgeschäft deutlich zunehmen. Bei Agri-PV können diese Einnahmen beispielsweise aus langfristigen Stromabnahmeverträgen oder der EEG-Direktvermarktung stammen. Batteriespeicher eröffnen über Tolling-Verträge, Stromhandel und Systemdienstleistungen zusätzliche Erlöswege. Mit dem geplanten Ausbau auf 60 MW im Jahr 2028 wollen wir Arteus auf eine breitere und besser planbare Ertragsbasis stellen.

anleihencheck.de: Für Anleihegläubiger ist letztlich entscheidend, woher 2031 das Geld für die Rückzahlung der Anleihe kommen soll. Welche konkrete Tilgungsstrategie verfolgen Sie, und inwieweit sind dafür Projektverkäufe, operative Cashflows oder eine Anschlussfinanzierung eingeplant?

Böhmer: Wir haben die Rückzahlung bewusst auf mehrere Säulen gestellt – und jede davon ist bereits heute konkret unterlegt. Erstens die Substanz: Unserem Anleihevolumen von bis zu 8 Mio. Euro steht ein extern plausibilisierter Portfoliowert von rund 25 Mio. Euro gegenüber. Zweitens gezielte Projektverkäufe: Baureife Agri-PV- und Speicherprojekte sind bei institutionellen Energieinvestoren gefragt. Über unsere etablierten Kontakte zu potenziellen Käufern können wir Projekte veräußern, wenn Preis und Zeitpunkt attraktiv sind. Drittens die laufenden Erträge: Bis 2028 wollen wir 60 MW in Betrieb haben und damit – über die Fälligkeit hinaus – wiederkehrende Cashflows erwirtschaften. Viertens die Refinanzierung: Operative Solar- und Speicheranlagen mit planbaren Erlösen eröffnen uns zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten – über Projektfinanzierungen ebenso wie über den Kapitalmarkt. Die Ausschüttungsbeschränkung sorgt zusätzlich dafür, dass erwirtschaftete Mittel im Unternehmen bleiben. Wie sich diese vier Säulen bei Fälligkeit im Jahr 2031 konkret zusammensetzen, werden wir auf Basis der dann herrschenden Markt- und Unternehmenssituation entscheiden. Wichtig ist: Die Rückzahlung hängt nicht von einem einzelnen Szenario oder einer einzigen Finanzierungsquelle ab.

Wir verbinden unternehmerischen Wachstumsspielraum mit klar definierten finanziellen Leitplanken für die gesamte Laufzeit der Anleihe.


anleihencheck.de: Welche Sicherheiten beziehungsweise Schutzmechanismen bietet die Anleihe den Investoren? Gibt es Covenants, Ausschüttungsbeschränkungen oder andere Verpflichtungen, die verhindern sollen, dass sich die finanzielle Situation während der fünfjährigen Laufzeit deutlich verschlechtert?

Böhmer: Die Anleihe ist nicht nachrangig, aber unbesichert. Einzelne Solarparks oder Batteriespeicher werden also nicht als Sicherheit verpfändet. Gleichzeitig gelten während der Laufzeit verschiedene Schutzmechanismen. Dazu zählen unter anderem eine Negativerklärung, Regelungen bei Kontrollwechsel und Drittverzug, Transparenzpflichten sowie eine Ausschüttungsbeschränkung und ein Mindest-Nettoinventarwert. Die Ausschüttungsbeschränkung unterstützt unsere Wachstumsstrategie, indem Kapital vorrangig im Unternehmen bleibt und für dessen weitere Entwicklung eingesetzt werden kann. Der Mindest-Nettoinventarwert setzt zusätzlich eine finanzielle Untergrenze. Damit verbinden wir unternehmerischen Wachstumsspielraum mit klar definierten finanziellen Leitplanken für die gesamte Laufzeit der Anleihe.

anleihencheck.de: Batteriespeicher sind derzeit eines der heißesten Segmente der Energiewende, entsprechend stark wächst aber auch der Wettbewerb. Warum sind Sie überzeugt, dass Arteus seine BESS-Pipeline wirtschaftlich realisieren kann und auch langfristig attraktive Renditen erzielt, wenn immer mehr Speicher ans Netz gehen?

Böhmer: Mit zunehmendem Wettbewerb wird bei Batteriespeichern die Qualität des einzelnen Projekts immer wichtiger. Gute Standorte, verfügbare Netzanschlüsse und ein tragfähiges Vermarktungskonzept entscheiden aus unserer Sicht stärker über die Wirtschaftlichkeit als die reine installierte Leistung. Speicher können unterschiedliche Erlösquellen erschließen – etwa durch die Verschiebung von Strom in attraktivere Preisphasen, Systemdienstleistungen oder längerfristige Tolling-Modelle. In Verbindung mit Agri-PV können zudem Erzeugung, Speicherung und Netznutzung sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig wächst mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem. Für Arteus liegt der entscheidende Vorteil darin, Netzanschluss, Projektentwicklung und Vermarktung von Beginn an zusammenzudenken. Gute Netzpunkte früh zu sichern und mehrere Erlöswege offenzuhalten, ist deshalb ein zentraler Bestandteil unserer BESS-Strategie.

Der Kupon von 7,75% steht einem realen Unternehmens- und Projektrisiko gegenüber.


anleihencheck.de: Wenn Sie einem potenziellen Anleger sowohl den stärksten Grund für ein Investment als auch das größte Risiko der Arteus-Anleihe nennen müssten: Welche beiden Punkte wären das?

Böhmer: Die Chance und Attraktivität bestehen darin, auf Basis einer bereits großen Projektpipeline einen Energieerzeuger mit wachsendem Eigenbestand aufzubauen. Gelingt dieser Schritt, wächst nicht nur der Wert einzelner Projekte – es entsteht zugleich eine zunehmend wiederkehrende Ertragsbasis. Das größte Risiko liegt in der Umsetzung: Projekte können sich verzögern oder ausfallen, Netzanschlüsse bleiben ein Engpass und auch Baukosten, Zinsen und Vermarktungserlöse können sich verändern. Der Kupon von 7,75% steht damit einem realen Unternehmens- und Projektrisiko gegenüber. Für uns kommt es deshalb vor allem auf die Umsetzungskraft an. Arteus deckt alle wesentlichen Schritte von der Flächensicherung über die Projektentwicklung bis zum Bau und späteren Betrieb selbst ab. Je mehr Projekte wir erfolgreich in Baureife und Betrieb überführen, desto stärker wachsen Ertragskraft und wirtschaftliche Substanz – und damit auch die Basis hinter der Anleihe.

anleihencheck.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Böhmer. (21.09.2026/alc/a/a)