Mit Fokus auf Agri-PV, Batteriespeicher und einer Debütanleihe will Arteus Energy den nächsten Entwicklungsschritt gehen. CEO Sebastian Böhmer und CFO David Lau erläutern im Gespräch mit BondGuide, warum das Unternehmen künftig stärker auf eigene Anlagen und wiederkehrende Cashflows setzt – und welche Rolle dabei die Anleihe 2026/31 spielen kann.
BondGuide: Herr Böhmer, Herr Lau, Arteus bezeichnet sich als ‚Europe’s NextGen IPP‘. Was ist Arteus heute: Projektentwickler oder bereits Stromerzeuger?
Böhmer: Wir bilden heute bereits beides ab. Das bedeutet, wir entwickeln neue Projekte und betreiben zugleich erste operative Anlagen im Eigenbestand. Perspektivisch soll der Anteil der Wertschöpfung aus der Stromerzeugung weiter steigen. Unser Ziel ist es, uns als voll integrierter Independent Power Provider, IPP, fest zu etablieren und damit planbare, wiederkehrende Erlöse aus dem kontinuierlichen Anlagenbetrieb aufzubauen. Damit entwickeln wir uns von einem projektgetriebenen Geschäftsmodell hin zu einem Unternehmen mit langfristig stabilen Cashflows und höherer Ergebnisvisibilität.
BondGuide: Viele Projektentwickler verkaufen ihre Projekte nicht selten schon bei oder während der Baureife – natürlich auch, um investiertes Kapital wieder freizubekommen. Warum wollen Sie stärker in den Eigenbestand gehen?
Lau: Das hängt stark vom jeweiligen Segment und von der Marktdynamik ab. Gerade im Batteriespeicherbereich halten wir die erzielbaren laufenden operativen Erträge derzeit für attraktiver als einen Verkauf. Zudem sind reine Projektrechte oft starken Marktzyklen unterworfen. Wer ausschließlich entwickelt und verkauft, ist diesen Schwankungen unmittelbar ausgesetzt. Mit einem eigenen Bestand an operativen Anlagen schaffen wir langfristig stabile, wiederkehrende Cashflows, eine höhere Planbarkeit und zusätzliche Wertschöpfung über die gesamte Lebensdauer eines Projekts hinweg – also über 20 Jahre und mehr. Darüber hinaus eröffnet uns unser eigenes Portfolio die Möglichkeit, von langfristigen Vermarktungsmodellen wie PPAs oder Tolling-Verträgen zu profitieren. Die aus dem Eigenbestand generierten Erlöse können wir wiederum kapitaleffizient für weiteres Wachstum und neue Projekte einsetzen.
BondGuide: Und welche Teile der Wertschöpfungskette decken Sie selbst ab und für welche ziehen Sie Partner hinzu?
Lau: Unser Geschäftsmodell ist weitgehend vertikal integriert. Wir identifizieren Projekte, sichern Flächen, führen die Gespräche mit Kommunen und übernehmen die Projektentwicklung, Finanzierung sowie Vermarktung. Extern vergeben wir vor allem die eigentlichen Bauleistungen, also die EPC-Tätigkeiten. Das anschließende kaufmännische und technische Asset Management der Anlagen erfolgt dagegen überwiegend intern. So behalten wir die Kontrolle über die wesentlichen, margenstarken Wertschöpfungsstufen, reduzieren Schnittstellenrisiken und können im Unternehmen Skaleneffekte sowie Know-how systematisch nutzen bzw. aufbauen.
BondGuide: Ihr Fokus liegt ja auf Agri-PV und Batteriespeichern. Warum gerade diese Kombination?
Böhmer: Weil diese Kombination die drängendsten strukturellen Engpässe des Energiemarktes – nämlich Flächenkonkurrenz und Netzstabilität – gleichzeitig löst. Agri-PV adressiert die Flächenfrage hocheffizient: Die landwirtschaftliche Nutzung bleibt größtenteils erhalten, wodurch die gesellschaftliche und kommunale Akzeptanz deutlich höher ist als bei klassischen Freiflächenanlagen. Gleichzeitig handelt es sich um einen jungen Wachstumsmarkt mit überlegener Projektwirtschaftlichkeit und attraktiven Renditen – wir sehen hier erhebliche Hebel beim Projekt-IRR. Die Kombination mit Batteriespeichern eröffnet uns zudem die Möglichkeit, Netzengpässe flexibel zu umgehen, die erzeugte Energie antizyklisch zu vermarkten und somit eine ‚Selbstkannibalisierung‘ der Strompreise zu verhindern. Insgesamt schaffen wir uns dadurch zusätzliche Erlösquellen und eine stärkere Diversifizierung der Cashflows.
BondGuide: Agri-PV gilt vielen als Königsweg der Energiewende. Warum aber geht der Ausbau bislang dennoch vergleichsweise langsam voran?
Böhmer: Agri-PV ist in Deutschland noch eine vergleichsweise junge Technologie. Zudem gelten auch hier die üblichen Genehmigungs- und Bauleitplanverfahren. Zwischen Projektstart und Baustart vergehen oft mehrere Jahre. Politische Unterstützung allein beschleunigt diese Prozesse nicht automatisch. Am Ende müssen die Projekte dieselben regulatorischen und administrativen Verfahren durchlaufen wie andere Energieprojekte. Gerade deshalb sind Erfahrung in der Projektentwicklung und ein frühzeitiger Zugang zu geeigneten Flächen wichtige Erfolgsfaktoren.
BondGuide: Batteriespeicher indes gelten derzeit als einer der attraktivsten Wachstumsmärkte der Branche. Wo sehen Sie einen möglichen Wettbewerbsvorteil, den Sie nutzen könnten?
Lau: Der entscheidende Engpass sind heute die Netzanschlüsse. Hier profitieren wir von unserer Erfahrung in der Projektentwicklung und von unserem Fokus auf netzdienliche, systemrelevante Speicherkonzepte. Wir entwickeln BESS nicht als isolierte Projekte, sondern setzen auf intelligente Konzepte, um lokale Netze zu entlasten und zusätzliche Mehrwerte zu schaffen. Ein klarer Vorteil ist zudem unsere Diversifizierung bei den Erlösstrukturen: Neben der Optimierung des Stromhandels und der Bereitstellung von Systemdienstleistungen setzen wir auf moderne Vermarktungsmodelle wie Tolling-Verträge. Das federt Marktrisiken ab und schafft für Investoren eine hohe Planbarkeit.
BondGuide: Ihre Pipeline umfasst rund 330 MW Agri-PV und knapp 2 GW Batteriespeicher. Warum ist die Speicherpipeline inzwischen so viel größer?
Böhmer: Dieser Markt entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Gleichzeitig planen wir bewusst konservativ. Naturgemäß entwickelt sich nicht jedes Projekt gleich schnell und nicht jedes Vorhaben erreicht planmäßig die Baureife. Deshalb muss die Pipeline deutlich größer sein als unsere Ausbauziele. Eine starke Pipeline erhöht die Wahrscheinlichkeit, die definierten Wachstumsziele zu erreichen, und reduziert gleichzeitig projektspezifische Risiken. Umso besser ist es, wenn einzelne Projekte schneller als erwartet vorankommen. Für uns ist diese gut diversifizierte Pipeline aus Agri-PV und BESS im Gesamtwert von rund 25 Mio. EUR eine hervorragende, werthaltige Basis für unser weiteres Wachstum.
BondGuide: Kommen wir zur Finanzierung: Mit der Anleihe wollen Sie bis zu 8 Mio. EUR einsammeln. Warum haben Sie sich für diesen Schritt entschieden?
Lau: Wir setzen auf eine ausgewogene und effiziente Kapitalallokation. Das Volumen von bis zu 8 Mio. EUR orientiert sich an der aktuellen Entwicklungsphase unserer Pipeline. Mit einem Kupon von 7,75% p.a. bieten wir interessierten Anlegern ein attraktives Risiko-Rendite-Profil in einem strukturellen Wachstumsmarkt. Es geht uns nicht darum, möglichst viel Kapital aufzunehmen, sondern um die gezielte Einwerbung von Wachstumskapital, das wir unmittelbar wertsteigernd einsetzen können. Die Anleihe ist damit ein wichtiger Baustein unserer Wachstumsfinanzierung, um die Wertschöpfung innerhalb unserer Pipeline zu beschleunigen und den Ausbau unseres Eigenbestands voranzutreiben.
BondGuide: Und wo werden diese Mittel konkret eingesetzt werden können?
Lau: Die Mittel fließen zu 100% in die Wachstumsfinanzierung: einerseits in die weitere Projektentwicklung, andererseits in Vorleistungen bei Projekten, etwa Netzanschlüsse, Transformatoren oder andere Komponenten mit langen Lieferzeiten. Außerdem benötigen wir Entwicklungskapital, um Projekte bis zur Finanzierungsreife zu bringen. Gerade in dieser Phase entstehen wesentliche Wertsteigerungen innerhalb der Projektpipeline. In Summe liegt der Fokus auf dem weiteren Aufbau von Anlagen im Eigenbestand, um künftig einen höheren Anteil wiederkehrender Erlöse zu generieren.
BondGuide: Die Strategie ist klar definiert. Dennoch hängt die Branche weiterhin stark von politischen Rahmenbedingungen ab. Was bereitet Ihnen derzeit die größten Kopfschmerzen?
Böhmer: Weniger die fundamentale Wirtschaftlichkeit unserer Projekte, denn die Marktdaten und die technologische Kostendegression sprechen klar für uns. Die Herausforderung liegt eher in der temporären Verunsicherung des Marktes durch immer neue politische Debatten und unfertige Referentenentwürfe. Das kann Investoren, Finanzierungspartner und Grundstückseigentümer kurzfristig zögern lassen, selbst wenn die Entwürfe später modifiziert werden. Was der Kapitalmarkt und die Energiewirtschaft zwingend benötigen, sind langfristige regulatorische Kontinuität und Planungssicherheit über viele Jahre hinweg.
BondGuide: Auf welche Kennzahlen sollten Anleger achten, wenn sie den Fortschritt von Arteus verfolgen möchten?
Lau: Wichtig sind die Entwicklung des Portfoliowerts, der Ausbau der Projektpipeline sowie der Fortschritt der Projekte bis zur Baureife und Inbetriebnahme. Ebenso relevant sind klassische Kennzahlen wie Umsatz und Profitabilität. Der entscheidende Indikator für den Erfolg unserer IPP-Strategie wird das kontinuierliche Wachstum der wiederkehrenden Erlöse aus dem Stromeigenvertrieb im Verhältnis zu den entwicklungsgetriebenen Einmalumsätzen sein.
BondGuide: Und wenn Sie zum Abschluss einen Wunsch für die Branche frei hätten: Was würden Sie umgehend ändern?
Böhmer: Ich würde mir mehr regulatorische Kontinuität wünschen. Das würde die Transaktionsgeschwindigkeit im Markt deutlich erhöhen. Ständige Diskussionen über neue Regelungen sorgen eher für Verunsicherung als für Investitionssicherheit.
Lau: Ich würde mir wünschen, dass wir den Netzausbau proaktiv und vorausschauend an den Ausbaupfad der Erneuerbaren Energien koppeln – und nicht umgekehrt den Ausbau der Erzeugung durch mangelnde Netzkapazitäten ausbremsen. Das würde immense volkswirtschaftliche Effizienzen freisetzen. Denn ein leistungsfähiges Netz ist die Voraussetzung dafür, dass die erheblichen Investitionen in Erzeugungskapazitäten und Speicher ihr volles Potenzial entfalten können.
BondGuide: Herr Böhmer, Herr Lau, ganz herzlichen Dank an Sie beide!
Das Interview führe Falko Bozicevic.
Bilder @Arteus Energy
Quelle: Arteus Energy: „Stabile Cashflows schlagen zyklische Projektverkäufe“ – BondGuide







