NZWL mit neuer 15-Mio.-Euro-Anleihe: 9,875% Kupon – Geschäftsführer Bartsch im exklusiven Interview

29.09.26 09:30
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Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) – Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL), ein international tätiger Produzent von Motor- und Getriebeteilen, Zahnrädern, Getriebebaugruppen und komplett montierten Getrieben für alle Antriebsarten für die Automobilindustrie sowie für alle Fahrzeugtypen bis zum Lkw, hat beschlossen, eine neue Anleihe (ISIN DE000A5GS6J0/ WKN A5GS6J) im Volumen von bis zu 15 Mio. Euro zu begeben. Das Wertpapier hat eine Laufzeit von fünf Jahren (29. Oktober 2026 bis 29. Oktober 2031) und ist mit 9,875% p.a. verzinst. Der Ausgabepreis der nicht nachrangigen und nicht besicherten NZWL-Anleihe mit einer Stückelung von 1.000 Euro beträgt 100% und der Rückzahlungspreis ebenfalls 100%. Die Rückzahlung erfolgt am 29. Oktober 2031. Die Umtauschprämie beträgt 20 Euro je umgetauschter Schuldverschreibung 2021/2026 sowie 20 Euro je umgetauschter Schuldverschreibung 2022/2027. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 22. Oktober 2026 (12 Uhr). Die Zeichnung ist über www.nzwl.de/ir möglich. Die Umtauschfrist läuft bis zum 21. Oktober 2026 (18 Uhr). anleihencheck.de führte das folgende Interview mit Herrn Dr. Hubertus Bartsch, Geschäftsführer der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH.

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anleihencheck.de führte das folgende Interview mit Herrn Dr. Hubertus Bartsch, Geschäftsführer der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH.


anleihencheck.de: Herr Dr. Bartsch, erst im vergangenen Jahr hat NZWL eine fünfjährige Anleihe 2025/2030 mit einem Kupon von 9,875% begeben. Nun emittieren Sie bereits die nächste Anleihe mit einem Volumen von bis zu 15 Mio. Euro und einer Laufzeit bis 2031. Warum benötigt NZWL erneut Kapital vom Anleihemarkt, und wie viel der neuen Emission dient tatsächlich der Refinanzierung bestehender Anleihen und wie viel soll als frisches Kapital in das operative Wachstum fließen?

Dr. Hubertus BartschDr. Bartsch: Der Nettoemissionserlös dient ausschließlich der Finanzierung unseres weiteren Wachstums. Wir wollen die frischen Mittel nutzen, um bereits gewonnene und anlaufende Projekte in den Bereichen Hybrid, Elektromobilität und alternative Antriebe sowie im Lkw-Segment in die Serie zu bringen und zusätzliche Produktionsvolumina abzubilden. Davon zu trennen ist das Umtauschangebot für die Anleihen 2021/2026 und 2022/2027: Es dient der Optimierung unserer Fälligkeitsstruktur, ist aber keine Verwendung der neu eingeworbenen Mittel. Diese sollen unsere Finanzkraft für neue Produkte und profitables Wachstum noch weiter stärken. Unser Ziel ist, aus bereits aufgebauten Kundenbeziehungen und gewonnenen Aufträgen zusätzliche Umsätze, Erträge und Cashflows zu generieren.

Der Nettoemissionserlös dient ausschließlich der Finanzierung unseres weiteren Wachstums.


anleihencheck.de: Die neue Anleihe hat einen Kupon von 9,875%. Damit finanziert sich NZWL weiterhin zu vergleichsweise hohen Zinsen. Im vergangenen Interview haben Sie argumentiert, dass sich diese Finanzierung durch zusätzliche Umsätze und Erträge aus den damit finanzierten Projekten rechne. Können Sie heute konkreter sagen, welche Rendite die mit dem neuen Anleihekapital finanzierten Projekte erwirtschaften müssen, damit für NZWL nach Finanzierungskosten tatsächlich zusätzlicher Unternehmenswert entsteht?

Dr. Bartsch: Bei einem Kupon von 9,875% genügt es nicht, wenn ein Projekt lediglich zusätzliche Umsätze oder einen positiven Ergebnisbeitrag liefert. Entscheidend ist, dass die erwartete Rendite über die gesamte Projektlaufzeit deutlich oberhalb unserer Finanzierungskosten liegt und auch nach Anlaufkosten, zusätzlicher Kapitalbindung und einem angemessenen Risikopuffer noch einen klar positiven Beitrag zum Unternehmenswert leistet. Konkret erwarten wir bei solchen Investitionen eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital. Ebenso wichtig ist für uns, dass aus dem Projekt nicht nur bilanzieller Ertrag, sondern tatsächlich zusätzlicher Cashflow entsteht. Deshalb investieren wir bevorzugt in bereits nominierte Serienprojekte, Volumenerweiterungen und zusätzliche Wertschöpfungsstufen bei langjährigen Kunden. Dort sind Mengen, Laufzeiten und technische Anforderungen vergleichsweise gut planbar. Unser Maßstab ist letztlich einfach: Das eingesetzte Kapital muss nach Finanzierungskosten nachhaltig mehr erwirtschaften, als es kostet, und zugleich unsere Fähigkeit stärken, Fremdkapital aus eigener operativer Kraft zurückzuführen.

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Wir haben unsere Anleiheverbindlichkeiten in den vergangenen Jahren um rund 24% reduziert.


anleihencheck.de: Für Anleiheinvestoren dürfte die Gesamtverschuldung inzwischen eine der wichtigsten Fragen sein. NZWL hat in den vergangenen Jahren regelmäßig neue Mittel über den Kapitalmarkt aufgenommen. Wie hoch wird die verzinsliche Finanzverschuldung der Gruppe nach einer vollständigen Platzierung der neuen Anleihe voraussichtlich sein, wie hoch wäre die jährliche Zinsbelastung und welchen Net-Debt/EBITDA-Wert halten Sie dauerhaft für komfortabel?

Dr. Bartsch: Wir haben unsere Anleiheverbindlichkeiten in den vergangenen Jahren sukzessive reduziert: von 63,5 Mio. Euro Ende 2020 auf 48,1 Mio. Euro Ende 2025 – ein Rückgang um mehr als 15 Mio. Euro beziehungsweise rund 24%. Der genaue Verschuldungsstand nach Abschluss der Emission hängt davon ab, wie viel bestehendes Anleihevolumen getauscht und wie viel neues Kapital gezeichnet wird. Zum 30. Juni 2026 lagen unsere Anleihen bei rund 51,7 Mio. Euro, die Bankverbindlichkeiten bei 23,7 Mio. Euro und die Verbindlichkeiten aus Mietkauf bei rund 10,5 Mio. Euro. Dem standen liquide Mittel von 20,4 Mio. Euro gegenüber. Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettoverschuldung: Ein Umtausch verlängert im Wesentlichen bestehende Verbindlichkeiten, während eine Barzeichnung zunächst gleichzeitig Schulden und Liquidität erhöht. Unsere Zinsaufwendungen beliefen sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 3,3 Mio. Euro. Die künftige Jahresbelastung hängt deshalb vom finalen Emissionsmix und den Rückzahlungen bestehender Finanzierungen ab. Die Anleihebedingungen setzen beim Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu EBITDA eine Obergrenze von 6,5. Unser eigener Anspruch liegt in einem Bereich von etwa 3,5 bis 4,5, weil er auch in schwächeren Marktphasen genügend finanziellen Spielraum lässt.

Entscheidend bleibt, dass wir die höhere Auslastung ohne proportionalen Kostenanstieg realisieren.


anleihencheck.de: Operativ zeigt das erste Halbjahr 2026 ein gemischtes, aber durchaus interessantes Bild: Der Umsatz sank von 84,5 auf 83,0 Mio. Euro, gleichzeitig stieg das EBITDA von 7,9 auf 8,5 Mio. Euro und das Konzernergebnis verbesserte sich von minus 0,5 auf plus 0,3 Mio. Euro. Was waren die wichtigsten Gründe für diese Ergebnisverbesserung trotz rückläufiger Umsätze – und wie nachhaltig ist die höhere Profitabilität aus Ihrer Sicht im zweiten Halbjahr und 2027?

Dr. Bartsch: Die Ergebnisverbesserung zeigt, dass wir im ersten Halbjahr nicht nur auf Umsatz, sondern vor allem auf die Qualität des Geschäfts geachtet haben. Obwohl der Umsatz um rund 1,6 Mio. Euro zurückging, sank der Materialaufwand um etwa 0,5 Mio. Euro, der Personalaufwand um rund 0,6 Mio. Euro und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen um etwa 0,8 Mio. Euro. Dadurch stieg das EBITDA von 7,9 auf 8,5 Mio. Euro. Gleichzeitig fielen die Abschreibungen niedriger aus, sodass sich das EBIT von 2,8 auf 3,7 Mio. Euro erhöhte. Beim Konzernergebnis kam hinzu, dass uns im Vorjahreszeitraum stärkere, überwiegend nicht realisierte Währungseffekte aus der Umrechnung des chinesischen Geschäfts belastet hatten. Für die weitere Entwicklung ist aber der operative Fortschritt wichtiger als dieser Sondereffekt. Wir sehen die höhere Profitabilität deshalb nicht als einmaligen Ausschlag. Produktivitätsfortschritte, ein günstigerer Produktmix und effizientere Anläufe sollten sich auch im zweiten Halbjahr positiv auswirken. 2027 kommt zusätzliches Volumen aus Elektro-, Hybrid- und Nutzfahrzeugprojekten hinzu. Entscheidend bleibt, dass wir die höhere Auslastung ohne proportionalen Kostenanstieg realisieren – genau darin liegt der Hebel für eine strukturell bessere Profitabilität.

Unser Maßstab ist, dass sich Investitionen nach der Anlaufphase aus zusätzlichem EBITDA und Free Cashflow tragen und nicht dauerhaft neues Fremdkapital benötigen.


anleihencheck.de: Gleichzeitig ist der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit im ersten Halbjahr deutlich von 9,7 auf 5,3 Mio. Euro zurückgegangen, während die Investitionen von 4,3 auf 4,8 Mio. Euro gestiegen sind. Wie erklären Sie Anlegern diese Entwicklung, und wann erwarten Sie, dass die derzeitigen Investitionen und Produktanläufe einen deutlich stärkeren Beitrag zum Free Cashflow leisten?

Dr. Bartsch: Der niedrigere operative Cashflow steht nicht im Widerspruch zur verbesserten Ertragslage. In einer Phase mit mehreren neuen Serienprojekten laufen Ergebnis und Zahlungsmittelzufluss zeitlich auseinander. Bevor ein neues Produkt voll Umsatz und Cash bringt, müssen wir Material beschaffen, Bestände aufbauen, Werkzeuge und Anlagen vorbereiten und häufig auch höhere Forderungen vorfinanzieren. Zum 30. Juni 2026 lagen unsere Vorräte bei rund 42,3 Mio. Euro, die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände bei 15,8 Mio. Euro; gerade diese Position ist gegenüber dem Jahresende deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben wir im ersten Halbjahr 2026 rund 4,8 Mio. Euro investiert, überwiegend für neue Produkte und Aufträge. Das belastet zunächst den freien Cashflow, schafft aber die Grundlage für künftige Serienumsätze. Entscheidend ist für uns, dass diese Vorleistungen nach dem Hochlauf wieder Cash freisetzen. Mit zunehmender Reife der neuen Programme erwarten wir deshalb im zweiten Halbjahr 2026 und insbesondere 2027 einen höheren operativen Mittelzufluss. Unser Maßstab ist, dass sich Investitionen nach der Anlaufphase aus zusätzlichem EBITDA und Free Cashflow tragen und nicht dauerhaft neues Fremdkapital benötigen.

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anleihencheck.de: China war im ersten Halbjahr 2026 der wesentliche Grund für den Umsatzrückgang, während Europa gewachsen ist. Gleichzeitig hatten Sie China im vergangenen Jahr noch als zentrales Wachstumsfeld bezeichnet und einen weiteren Großauftrag von Great Wall Motor für ein 4-Gang-DCT-Hybridgetriebe gewonnen, der ab 2026 rund 2 Mio. Euro zusätzlichen Jahresumsatz bringen sollte. Wie läuft dieses Projekt inzwischen, warum entwickelt sich China insgesamt dennoch schwächer und wann rechnen Sie dort wieder mit Wachstum?

Dr. Bartsch: China bleibt für uns ein wichtiger Markt, auch wenn sich unser Geschäft dort im ersten Halbjahr 2026 schwächer entwickelt hat als in Europa. Dabei ist wichtig, zwischen der Entwicklung einzelner Kundenprogramme und unserem gesamten China-Umsatz zu unterscheiden. Das Projekt mit Great Wall Motor für das 4-Gang-DCT-Hybridgetriebe läuft planmäßig und soll 2026 schrittweise in die Serie gehen. Der erwartete zusätzliche Jahresumsatz von rund 2 Mio. Euro bleibt damit ein konkreter Wachstumsbaustein. Gleichzeitig verändern sich in China Modellzyklen, Plattformen und Antriebskonzepte sehr schnell. Lokale Hersteller gewinnen an Bedeutung, der Preis- und Innovationsdruck ist hoch und bestehende Programme können deshalb deutlich stärker schwanken als früher. Genau darauf stellen wir unseren Produktionsstandort in Tianjin ein: mit höherer lokaler Wettbewerbsfähigkeit, stärkerer Finanzierung über chinesische Banken und zusätzlichen Projekten mit bestehenden und neuen Kunden. Deshalb würden wir nicht von einem grundsätzlichen Schwächetrend sprechen. Für 2027 erwarten wir wieder bessere Wachstumschancen, wenn neue Hybrid- und E-Projekte sowie zusätzliche Nutzfahrzeugprogramme stärker in den Umsatz hineinlaufen.

Zusätzlichen Rückenwind geben uns die Hochläufe bei Wellen für Elektroplattformen, Projekte im Premiumsegment und neue Aufträge bei Scania und Daimler Truck.


anleihencheck.de: Der Anteil von Elektro- und Hybridantrieben am Umsatz ist im ersten Halbjahr 2026 von 18 auf 19% gestiegen. Gleichzeitig berichten Sie über erfolgreiche Hochläufe neuer Wellen für die Elektromobilität sowie über neue Aufträge im Nutzfahrzeugbereich. Wie soll sich der Umsatzmix von NZWL in den kommenden drei bis fünf Jahren verändern – und welcher Anteil des Konzernumsatzes soll 2030 aus Hybrid- und Elektroanwendungen stammen?

Dr. Bartsch: Der Anstieg des Umsatzanteils von Elektro- und Hybridanwendungen auf 19% im ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass sich unser Produktportfolio Schritt für Schritt verändert. Für uns geht es dabei nicht darum, eine Antriebsart gegen eine andere auszutauschen, sondern unsere Expertise über verschiedene Technologien hinweg zu nutzen. Unsere Kernkompetenzen bei Zahnrädern, Wellen und Baugruppen sowie in deren hochpräziser Bearbeitung und Wärmebehandlung sind sowohl für Hybrid- als auch für Elektroanwendungen relevant. Genau deshalb können wir an der Transformation der Automobilindustrie partizipieren, ohne unser bestehendes Know-how zu entwerten. Zusätzlichen Rückenwind geben uns die Hochläufe bei Wellen für Elektroplattformen, Projekte im Premiumsegment und neue Aufträge im Nutzfahrzeugbereich, unter anderem bei Scania und Daimler Truck. Bis 2030 soll der Anteil von Hybrid- und Elektroanwendungen weiter steigen. Eine starre Zielquote halte ich jedoch nicht für sinnvoll, weil sich die Abrufe unserer Kunden und die Geschwindigkeit der Elektrifizierung regional unterschiedlich entwickeln. Wichtiger ist, dass der Anteil kontinuierlich zunimmt und diese Geschäfte mindestens ebenso profitabel und cashflowstark sind wie unser heutiges Portfolio.

Wir sind bei rund 90% unserer Aufträge Alleinlieferant.


anleihencheck.de: Sie bestätigen für 2026 ein Umsatzwachstum von 3 bis 5% und erwarten eine Verbesserung von Rohertrag, EBITDA und Konzernjahresergebnis in ähnlicher Größenordnung. Nach 83,0 Mio. Euro Umsatz im ersten Halbjahr bedeutet das, dass im zweiten Halbjahr eine spürbare Beschleunigung notwendig sein dürfte. Welche konkreten Produktanläufe und Kundenprojekte sollen dieses Wachstum liefern, und wie hoch ist aktuell der Auftragsbestand beziehungsweise wie gut ist das für 2027 erwartete Umsatzvolumen bereits durch Aufträge abgesichert?

Dr. Bartsch: Die Beschleunigung im zweiten Halbjahr 2026 soll nicht aus der Hoffnung auf einen besseren Gesamtmarkt kommen, sondern aus konkreten Projekten, die wir bereits vorbereitet oder in die Serie überführt haben. Dazu gehören zusätzliche Volumina bei Rädern und Wellen für Elektroantriebe im Premiumsegment, weitere MEB- und Nachfolgeplattformen sowie wachsende Umfänge im Nutzfahrzeuggeschäft. Hinzu kommen Projekte, bei denen wir im ersten Halbjahr 2026 die Voraussetzungen für den Serienanlauf geschaffen haben und die nun zunehmend zum Umsatz beitragen sollen. Damit haben wir zugleich eine gute Ausgangsbasis für 2027 und die weitere Entwicklung gelegt. Zum 30. Juni 2026 lag unser Auftragsbestand bei rund 139,0 Mio. Euro und unterstreicht damit die hohe Visibilität unseres Geschäfts. Hinzu kommt, dass wir bei rund 90% unserer Aufträge Alleinlieferant sind und ein wesentlicher Teil des erwarteten Wachstums auf nominierten Serien, Volumenerweiterungen und Nachfolgeplattformen basiert. Natürlich können die tatsächlichen Abrufe der Automobilhersteller schwanken. Entscheidend ist aber, dass das erwartete Wachstum nicht erst akquiriert werden muss, sondern zu einem erheblichen Teil bereits durch konkrete Kundenprojekte unterlegt ist.

Die 20,4 Mio. Euro Liquidität sind für uns ein wichtiger Sicherheitspuffer.


anleihencheck.de: Zum 30. Juni 2026 verfügte NZWL über 20,4 Mio. Euro liquide Mittel, gleichzeitig lag die Eigenkapitalquote mit 19,8% knapp unter 20%. Warum ist vor diesem Hintergrund eine weitere Anleihe von bis zu 15 Mio. Euro die bevorzugte Finanzierungsform? Und welches Verhältnis zwischen Eigenkapital, Bankfinanzierung und Anleihen streben Sie langfristig an, damit die Finanzierung auch bei einer länger anhaltenden Schwäche der Automobilindustrie robust bleibt?

Dr. Bartsch: Die 20,4 Mio. Euro Liquidität sind für uns ein wichtiger Sicherheitspuffer und nicht dafür gedacht, langfristige Wachstumsprojekte vollständig aus der Kasse zu finanzieren. Als Automobilzulieferer müssen wir gleichzeitig neue Serien anlaufen lassen, Material und Forderungen vorfinanzieren und Schwankungen bei Kundenabrufen abfedern. Die neue Anleihe finanziert gezielt dieses weitere Wachstum, während das Umtauschangebot separat der Optimierung unserer Fälligkeitsstruktur dient. Würden wir dafür einen großen Teil unserer Liquidität einsetzen, wäre die Verschuldung kurzfristig niedriger, unsere finanzielle Widerstandsfähigkeit aber ebenfalls. Die Laufzeit der neuen Anleihe ermöglicht uns, die erforderlichen Investitionen über einen Zeitraum zu finanzieren, der gut zu den langfristigen Projekten passt. Gleichzeitig ist eine Eigenkapitalquote von 19,8% für uns kein Zielwert, sondern eine Ausgangsbasis, die wir durch einbehaltene Gewinne stärken wollen. Bankfinanzierungen bleiben wichtig, insbesondere in China, wo wir noch stärker mit lokalen Banken arbeiten und die Finanzierung unabhängiger von Europa gestalten wollen. Wir streben deshalb kein starres Verhältnis zwischen Eigenkapital, Banken und Anleihen an. Entscheidend sind ausreichende Liquidität, optimierte Fälligkeiten, eine steigende Eigenkapitalquote und eine aus dem laufenden Cashflow gut tragbare Nettoverschuldung.

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Im ersten Halbjahr 2026 haben wir trotz leicht niedrigerer Erlöse das EBITDA auf 8,5 Mio. Euro verbessert.


anleihencheck.de: Zum Abschluss die entscheidende Frage aus Sicht eines Anlegers: Wer die neue NZWL-Anleihe zeichnet, leiht dem Unternehmen sein Geld bis Oktober 2031. Welche drei Kennzahlen beziehungsweise operativen Meilensteine sollten Anleger in den kommenden fünf Jahren besonders beobachten, um beurteilen zu können, ob NZWL auf Kurs ist – und was gibt Ihnen persönlich heute die Zuversicht, dass NZWL 2031 sowohl die Zinsen als auch die vollständige Rückzahlung der Anleihe aus eigener finanzieller Stärke leisten kann?

Dr. Bartsch: Für die Beurteilung unserer Entwicklung würde ich als Anleger drei Dinge besonders beobachten: Erstens, ob EBITDA und EBITDA-Marge nachhaltig steigen. Zweitens, ob die Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft zurückgeht und die Zinsen komfortabel aus dem operativen Ergebnis gedeckt werden. Drittens, ob aus dem Wachstum tatsächlich Free Cashflow entsteht. Genau dort zeigt sich, ob neue Projekte nicht nur Umsatz, sondern auch finanzielle Substanz schaffen. Im ersten Halbjahr 2026 haben wir trotz leicht niedrigerer Erlöse das EBITDA auf 8,5 Mio. Euro verbessert und zugleich 20,4 Mio. Euro liquide Mittel ausgewiesen. Gleichzeitig ist klar, dass eine Nettofinanzverschuldung von rund 65 Mio. Euro bei heutigen Finanzierungskosten Disziplin verlangt. Meine Zuversicht bis 2031 beruht deshalb nicht auf einer erhofften Markterholung, sondern auf unserer breiten Kundenbasis, einem hohen Anteil als Alleinlieferant von 90%, bereits aufgebauten Kapazitäten und neuen Serien in Elektro-, Hybrid- und Nutzfahrzeuganwendungen. Hinzu kommt unsere langjährige Kapitalmarkterfahrung seit 2014 mit einem tadellosen Track-Record. Unser Ziel ist, Ergebnis und freien Cashflow zu steigern, die Verschuldung zurückzuführen und die Rückzahlung der Anleihe frühzeitig aus eigener Kraft vorzubereiten.anleihencheck.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Bartsch. (29.09.2026/alc/a/a)