Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL) ist aktuell am Kapitalmarkt aktiv und begibt eine weitere Unternehmensanleihe (ISIN: DE000A5GS6J0) mit einem Volumen von bis zu 15 Mio. Euro und einem Zinskupon von 9,875 % p. a. Die Emission richtet sich sowohl an bestehende NZWL-Anleihegläubiger im Rahmen eines Umtauschangebots als auch an neue Investoren. Im Interview erläutert Geschäftsführer Dr. Hubertus Bartsch die Ziele der erneuten Kapitalmarktfinanzierung, die aktuelle Geschäftsentwicklung in Europa und
China sowie die gegenwärtigen Herausforderungen in der Automobilbranche.
Anleihen Finder: Herr Bartsch, die NZWL ist wieder am Anleihemarkt aktiv. Was sind die Hauptziele mit der neuen Anleihe-Emission? Wofür sollen die Mittel verwendet werden?
Dr. Hubertus Bartsch: Mit der neuen Anleihe wollen wir unsere Finanzierungsstruktur über die kommenden Jahre weiterhin verlässlich aufstellen und zusätzlichen Spielraum für das operative Wachstum schaffen. Die Mittel aus dem Zeichnungsangebot sollen vor allem in neue Produkte, Produktanläufe und zusätzliche Wertschöpfung bei Hybrid-, alternativen und elektrischen Antrieben fließen. Dazu gehören Fertigungstechnologien und Anlagen, mit denen wir neue Aufträge effizient in die Serienfertigung bringen und bestehende Programme weiter ausbauen können. Parallel bietet die Emission den Inhabern unserer Anleihen 2021/2026 und 2022/2027 eine Umtauschmöglichkeit. So verbinden wir Finanzierungskontinuität mit gezielten Zukunftsinvestitionen. Den Kapitalmarkt nutzen wir seit 2014 regelmäßig. Die aktuelle Emission ist daher die Fortsetzung unserer langfristig an gelegten, bewährten Finanzierungsstrategie.
Anleihen Finder: Im ersten Halbjahr 2026 konnte das EBITDA auf 8,5 Mio. Euro gesteigert und wieder ein positives Konzernergebnis erzielt werden, während der Umsatz leicht zurückging. Wie bewerten Sie die Entwicklung insgesamt und wo sehen Sie die wichtigsten Treiber für die verbesserte Ertragslage?
Dr. Hubertus Bartsch: Das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass wir unsere Ertragskraft auch bei einem verhaltenen Marktvolumen verbessern können. Trotz des leichten Umsatzrückgangs stieg das EBITDA von 7,9 auf 8,5 Mio. Euro und die EBITDA-Marge von 9,3 auf 10,2 Prozent. Nach einem Konzernfehlbetrag von 0,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum haben wir wieder einen Überschuss von 0,3 Mio. Euro erzielt. Dazu beigetragen haben eine bessere Auslastung in wesentlichen europäischen Programmen, Produktivitätsfortschritte und ein günstigerer Produktmix, unter anderem durch zusätzliche Volumina im Nutzfahrzeug- und E-Mobilitätsgeschäft. Zugleich sind Personalaufwand, sonstige betriebliche Aufwendungen und Abschreibungen zurückgegangen. Für mich zeigt sich darin vor allem der operative Fortschritt im Unternehmen. Darauf wollen wir in der zweiten Jahreshälfte aufbauen.
Anleihen Finder: Wie entwickelt sich das Geschäft in Europa aktuell? Welche Auswirkungen haben die weiterhin schwierige Marktlage, der Preisdruck und die Transformation hin zu alternativen Antrieben auf NZWL?
Dr. Hubertus Bartsch: Europa bleibt unser wichtigster Stabilitätsanker und stand im ersten Halbjahr 2026 für 84 Prozent des Konzernumsatzes. Das Umfeld ist allerdings weiterhin von hohem Kostendruck, intensiven Preisverhandlungen und Investitionszurückhaltung bei einzelnen Marktteilnehmern geprägt. Die Transformation eröffnet uns zugleich neue Geschäftsmöglichkeiten, weil wir Komponenten und Baugruppen für Verbrenner, Hybrid- und Elektroantriebe fertigen. Unsere Kompetenzen bei Verzahnung, Wellen, Synchronisierungen, Wärmebehandlung und Montage lassen sich auf unterschiedliche Anwendungen übertragen. In Leipzig wachsen wir unter anderem im Nutzfahrzeugbereich und bei alternativen Antrieben; in der Slowakei laufen Produkte für die PPE- und MEB-Plattform in Serie. Dem anhaltenden Preisdruck begegnen wir mit höherer Produktivität, standardisierten Prozessen und mehr eigener Wertschöpfung. So können wir unseren Produktmix schrittweise an die Veränderungen im Markt anpassen, ohne von der Entwicklung einer einzelnen Antriebsart abhängig zu sein.
Anleihen Finder: Der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr ist insbesondere auf die schwächere Entwicklung in China zurückzuführen. Wie stellt sich die Situation auf dem chinesischen Markt aktuell dar und wie beurteilen Sie die weiteren Perspektiven für Ihr China-Geschäft?
Dr. Hubertus Bartsch: China bleibt für uns strategisch wichtig, auch wenn das erste Halbjahr 2026 dort klar schwächer ausgefallen ist. Der Umsatzanteil Chinas am Konzern ist von 22 Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf 16 Prozent zurückgegangen. Dahinter stehen vor allem geringere Abrufe in bestehenden Programmen. Der chinesische Fahrzeugmarkt verändert sich sehr schnell, insbesondere bei Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen, und lokale Hersteller gewinnen weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Darauf richten wir unser Werk in Tianjin stärker aus – bei Kundenakquisition, Finanzierung und Wertschöpfung. Neben Volkswagen und Great Wall wollen wir zusätzliche lokale Kunden und Anwendungen erschließen. Unsere Perspektive hängt daher nicht davon ab, kurzfristig verlorenes Volumen eins zu eins zurückzugewinnen. Wir wollen das Kundenportfolio verbreitern und unsere vorhandene Fertigungsbasis für neue Programme nutzen. Damit wollen wir eine breitere und nachhaltigere Basis für profitables Wachstum schaffen.
Anleihen Finder: Der Umsatzanteil mit Elektro- und Hybridantrieben ist erneut leicht gestiegen. Welche weitere Dynamik erwarten Sie hier in den kommenden Jahren? Welche neuen Produkte und Produktanläufe sind geplant?
Dr. Hubertus Bartsch: Der Umsatzanteil aus Aufträgen für Elektro- und Hybridantriebe liegt inzwischen bei rund 19 Prozent und damit etwa einen Prozentpunkt über dem Vorjahreszeitraum. Ich erwarte einen weiteren Anstieg, allerdings nicht in einer geraden Linie. Modellzyklen, regulatorische Rahmenbedingungen und die regionale Nachfrage beeinflussen das Tempo. Bei der PPE- und MEB-Plattform sind wir bereits in Serie, für die MEB-Plattform liefern wir unter anderem Wellen für höhere Drehmomente. Darüber hinaus sind wir in die Entwicklung der Scalable Systems Platform sowie in PPE-Nachfolgeplattformen eingebunden. Hinzu kommen das Planetenradgetriebe für Lamborghini, weitere Anwendungen im Nutzfahrzeugbereich und Komponenten für elektrische Achsen. Unsere breite Aufstellung ermöglicht uns, auf unterschiedliche Entwicklungen bei den Antriebsarten zu reagieren. Zugleich wollen wir unseren Leistungsumfang weiter in Richtung Baugruppen und höherer eigener Wertschöpfung ausweiten.
Anleihen Finder: Wie entwickelt sich derzeit der Auftragseingang bzw. die Auftrags-Pipeline? Gibt es bereits konkrete neue Projekte, die in den kommenden Jahren wesentlich zum Wachstum beitragen können?
Dr. Hubertus Bartsch: Unsere Pipeline ist qualitativ breiter geworden. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Auftragseingang bei 86,2 Mio. Euro und der Auftragsbestand zum 30. Juni bei 139,0 Mio. Euro. Dahinter stehen Projekte über verschiedene Kunden, Antriebsarten und Fahrzeugsegmente hinweg. Bei bestehenden Kunden sind wir häufig früh in Entwicklungs- und Vorserienphasen eingebunden, aus denen langlaufende Serienaufträge entstehen können. Aktuell arbeiten wir unter anderem an Versuchs- und Vorserienteilen für die SSP sowie an Nachfolgeplattformen der heutigen PPE-Programme. Im Nutzfahrzeugbereich erwarten wir bei Scania 2026 weiteres Wachstum. Bei Lamborghini ist die aktuelle Maximalstückzahl erreicht, sodass eine Kapazitätserweiterung vorgesehen ist. Auch für Daimler Truck liefern wir bereits Komponenten für die E-Achse. Bei der Akquisition achten wir sehr genau auf Laufzeit, Stückzahl, Wertschöpfungsanteil und
Investitionsbedarf. Wachstum muss sich für uns wirtschaftlich rechnen.
Anleihen Finder: Welche Investitionen sind notwendig, um die geplanten Produktanläufe und das weitere Credit: Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH Wachstum zu unterstützen? In welchen Bereichen besteht aktuell der größte Kapitalbedarf?
Dr. Hubertus Bartsch: Unsere Investitionen orientieren sich eng an neuen Aufträgen und Produktanläufen. Im ersten Halbjahr 2026 haben wir rund 4,7 Mio. Euro in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte investiert. Kapital benötigen wir vor allem für zusätzliche Wertschöpfung und Kapazitäten für absehbare Serienvolumina. Dazu zählen Bearbeitungs- und Verzahnungstechnik, Wärmebehandlung, Montage sowie projektspezifische Maschinen und Betriebsmittel. In Sučany bauen wir unter anderem die Vakuumhärtetechnik aus; in Leipzig geht es um zusätzliche Volumina im Nutzfahrzeugbereich, Lamborghini und alternative Antriebe. Dabei investieren wir bewusst stufenweise. Die 2024 erweiterten Produktionsflächen haben konzernweit rund 20 Prozent zusätzliche Kapazität geschaffen. Deshalb erfordert weiteres Wachstum nicht automatisch neue Gebäude. Unser Kapital soll vor allem dort eingesetzt werden, wo es Produktivität, Wertschöpfung und Ertragskraft erhöht.
Anleihen Finder: Die Automobilbranche steht vor vielen Herausforderungen. Wo sehen Sie die größten Risiken für das NZWL Geschäftsmodell und wie wappnen Sie sich dagegen?
Dr. Hubertus Bartsch: Die größten Risiken liegen derzeit in der Gleichzeitigkeit mehrerer Belastungen: schwankende Abrufe, hoher Preisdruck, geopolitische Spannungen, veränderte Handelsströme sowie Kosten für Energie und Material. Hinzu kommen unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Transformation der Antriebe und die für einen Automobilzulieferer strukturelle Abhängigkeit von großen OEM-Programmen. Wir begegnen dem mit einer breiten Aufstellung. Wir produzieren in Deutschland, der Slowakei und China, bedienen Pkw und Nutzfahrzeuge und sind bei Verbrennern, Hybrid- und Elektroantrieben vertreten. Standardisierte Prozesse erlauben uns, vorhandene Fertigungsstrukturen möglichst flexibel zu nutzen. Zudem erhöhen wir die eigene Wertschöpfung und reduzieren damit Abhängigkeiten in wichtigen Prozessschritten. Bei rund 90 Prozent unserer Aufträge sind wir Alleinlieferant. Das unterstreicht unsere Position bei den Kunden und stellt zugleich hohe Anforderungen an Qualität sowie Lieferfähigkeit. Operative Stabilität, ausreichende Liquidität und Investitionsdisziplin haben daher für uns hohe Priorität.
Anleihen Finder: Sie erwarten für 2026 eine Verbesserung von Umsatz, EBITDA und Konzernergebnis um jeweils 3 bis 5 %. Wie realistisch ist dieses Ziel aus heutiger Sicht und welche Entwicklungen werden dafür im zweiten Halbjahr entscheidend sein?
Dr. Hubertus Bartsch: Auf Basis des bisherigen Jahresverlaufs halten wir unsere Ziele für 2026 weiterhin für erreichbar. Das erste Halbjahr hat mit 83,0 Mio. Euro Umsatz, 8,5 Mio. Euro EBITDA und einem positiven Konzernergebnis eine solide Ausgangsbasis geschaffen.
In der zweiten Jahreshälfte kommt es vor allem auf die Kundenabrufe und die vorgesehenen Serienvolumina bei bereits angelaufenen Programmen an. Beiträge erwarten wir insbesondere aus dem europäischen Geschäft, aus Nutzfahrzeugprogrammen und E- Mobilitätsanwendun gen. China bleibt ein gewisser Unsicherheitsfaktor, da sich Abrufe dort kurzfristiger verändern können. Für die Ergebnisentwicklung spielen außerdem weitere Produktivitätsfortschritte sowie Material-, Energie- und Personalkosten eine wichtige Rolle. Die angestrebte Verbesserung um 3 bis 5 Prozent bei Umsatz, EBITDA und Konzernergebnis setzt voraus, dass sich die erwarteten Volumina wie geplant entwickeln und größere externe Belastungen ausbleiben. Auf dieser Grundlage sehen wir uns für das Gesamtjahr weiterhin auf Kurs.
Anleihen Finder: Wo soll NZWL in drei bis fünf Jahren stehen? Welche strategischen Ziele haben Sie sich gesetzt?
Dr. Hubertus Bartsch: In drei bis fünf Jahren soll NZWL noch breiter aufgestellt, profitabler und finanziell stärker sein als heute. Wir wollen uns vom etablierten Spezialisten für Synchronisierungen und Getriebekomponenten zu einem global tätigen Anbieter von Zahnrädern, Wellen und komplexeren Baugruppen für unterschiedliche Antriebskonzepte weiterentwickeln. Der Anteil von Hybrid- und Elektroanwendungen soll weiter wachsen, ebenso unser Nutzfahrzeuggeschäft. Bei bestehenden Kunden wollen wir zusätzliche Wertschöpfung übernehmen – vom bearbeiteten Einzelteil bis zur einbaufertigen Baugruppe. China bleibt wichtiger Teil dieser Strategie,
mit einer stärkeren lokalen Finanzierung und einer breiteren Kundenbasis. Wirtschaftlich wollen wir Wachstum mit einer höheren Profitabilität, steigenden freien Cashflows und einer sinkenden Verschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft verbinden.
Anleihen Finder: Besten Dank, Herr Dr. Bartsch

